Hier fühlen sich Kinder und Senioren wohl!
Seit mittlerweile sieben Jahren kommen täglich 14 kleine Kinder in das Pensionisten-Wohnhaus Hetzendorf. Die Kindergruppe Purz’lbaum ist dort beheimatet. „Kinder, Seniorinnen und Senioren passen gut zusammen, denn Vogelgezwitscher und Kinderlachen beleben
Jung und Alt unter einem Dacht!
Im Pensionisten-Wohnhaus ist auch die Kindergruppe Purz’lbaum untergebracht. „Leben & Freude“ hat Vinzenz Kiener, Direktor des Pensionisten-Wohnhauses, zum Interview getroffen.
Leben & Freude: Wie kam es zur Idee dieses gemeinsamen Projekts?
Vinzenz Kiener: Ich habe während meiner Heimleiter-Ausbildung Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, in deren Senioreneinrichtungen auch ein Kindergarten untergebracht war. Außer einen gemeinsamen Eingang gab es aber nicht viel. Meine Idee war aber vielmehr, dass die Kinder und die älteren Menschen Zeit miteinander verbringen können. Ich besprach dieses Thema mit einem Coach. Sie riet mir daraufhin zur Zusammenarbeit mit einer Kindergruppe. Denn diese ist kleiner und leichter integrierbar als ein ganzer Kindergarten. Eines Tages besuchten mich zwei Tagesmütter in meinem Büro und erzählten, dass sie eine Kindergruppe eröffnen möchten und einen Raum suchen. Diesen haben sie bei uns gefunden.
Wo ist die Kindergruppe untergebracht?
Früher gab es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Souterrain einen Speiseraum. Der wurde aber nicht mehr benötigt. Er wurde kindgerecht umgebaut und die Sanitäranlagen wurden neu gemacht.
Wie waren die Reaktionen der Bewohnerinnen und Bewohner?
Natürlich informierten wir die Bewohnerinnen und Bewohner über unser Vorhaben schon vorher. Wir gingen es vorsichtig an und fielen nicht mit der Tür ins Haus. Zuerst setzte ich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davon in Kenntnis. Dann sprach ich mit den Stockwerkvertreterinnen und -vertretern. Am Ende informierte ich alle Bewohnerinnen und Bewohner beim gemeinsamen Frühstück im Speisesaal. Ein Teil war begeistert, andere weniger, aber niemand war dagegen. Es war von vornherein klar, dass niemand gezwungen werden würde, die Kindergruppe zu besuchen. Von Anfang an stand außerdem fest: Die Pensionistinnen und Pensionisten sind nicht zum Aufpassen da, die Kinder nicht zur Belustigung, sondern jede und jeder hat ihren bzw. seinen Eigenwert und alle bekommen die Aufmerksamkeit, die sie brauchen. Es war für die Seniorinnen und Senioren auch beruhigend zu wissen, dass nur 14 Kinder kommen würden.
Welche Ängste gab es vor allem?
Dass die Kinder keine Rücksicht nehmen würden, sie laut wären und überall herumlaufen würden.
Das hat sich aber nicht bewahrheitet?
Nein, im Gegenteil: Die Kinder passen auf. Sie können auch damit umgehen, wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner im Rollstuhl sitzt, und fragen, ob sie beim Schieben helfen dürfen. Sie passen sich an die Geschwindigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner an. Und sie verlieren ihre Scheu.
Können die Seniorinnen und Senioren die Kindergruppe besuchen, wann sie wollen?
Wer will, kann vorbeischauen. Der Raum ist so gestaltet, dass nicht nur die Kinder sich wohlfühlen, sondern auch die älteren Leute bequem und sicher Platz haben. Es gibt große und kleine Sessel und die Betreuerinnen passen auf, dass nichts herumliegt, das zum Beispiel einen Rollstuhlfahrer behindern könnte. Jeden Morgen um 9 Uhr gibt es den Morgenkreis, dabei werden alle begrüßt, ob Alt oder Jung.
Es gibt auch gemeinsame Gruppen …
Richtig, wir haben eine Bastel-, eine Montessori- und eine Turngruppe. Sie finden alle zwei Wochen statt. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Betreuerinnen der Kindergruppe bereiten die Seniorinnen, Senioren und Kinder auf die gemeinsamen Aktivitäten vor. Begonnen haben wir mit einer Gruppe. Jetzt, nach sieben Jahren, sind es drei. Es ist den älteren Menschen nicht unangenehm, wenn sie manche Dinge nicht mehr so gut können. Die Kinder können sie noch nicht so gut – und das gleicht sich wieder aus. Es gibt keinen Leistungsdruck.
Wie funktioniert die Kooperation zwischen Pensionisten-Wohnhaus und Kindergruppe bezüglich der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Es funktioniert sehr gut! Wir tauschen uns regelmäßig aus, es gibt Reflexionstreffen und wir erarbeiten Konzepte für die Gruppen oder planen gemeinsame Feste. Wir haben die Verantwortung für beide Altersgruppen. Sie werden von uns begleitet und unterstützt, damit sie gemeinsam Schönes erleben können. Das braucht aber Struktur und Konzept – und das ist unsere Aufgabe.